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Tipps zur Studienwahl


Tipps für Abiturientinnen und Abiturienten von Prof. Dr. Karl Müller-Siebers, Präsident der FHDW Hannover

Herr Müller-Siebers, warum tun sich Abiturientinnen und Abiturienten heute so schwer damit, das richtige Studienfach zu finden?

Früher waren die Curricula der Studiengänge an den verschiedenen Hochschulen weitgehend identisch. Unter fachlichen Gesichtspunkten war es meist relativ egal, ob man Betriebswirtschaft in München, Mannheim oder Hamburg studierte. Diese Zeiten sind vorbei, seit im Zuge des Bologna-Prozesses an allen deutschen Hochschulen die "Reformitis" ausgebrochen ist und neben den Abschlüssen auch die Konzepte der Studiengänge umgestaltet werden. Für die Bachelor-Programme wurden die vier- und fünfjährigen Diplom-Studiengänge gestrafft, viele Hochschulen mussten sich fragen, was Kerninhalte sind und worauf verzichtet werden kann. Daraus sind unterschiedliche Curricula entstanden - unabhängig davon, ob das Studienfach nun Betriebswirtschaft, Informatik oder Psychologie heißt. Deshalb sind die Erfahrungen von Eltern, Verwandten und Bekannten oft nur noch wenig wert - und bei vielen Abiturienten herrscht absolute Ratlosigkeit.

Wie weit sollte das Studium voraus geplant werden?

Jedenfalls sollte man sich sehr früh fragen, ob ein eher anwendungs- oder forschungsorientiertes Studium gewünscht ist. Die meisten aber entwickeln erst im Studium eine so konkrete berufliche Perspektive für sich. Genau hier liegt das Problem. Denn die Wahl eines Bachelor-Studiums bedeutet unter Umständen das Aus für manche Master-Studiengänge. Wird beispielsweise Ingenieurwissenschaften oder Informatik eher anwendungsbezogen studiert, kann wegen der Ausrichtung auf bestimmte Branchen oder Funktionsbereiche womöglich die nötige inhaltliche Breite für ein Master-Programm fehlen.

Ist es nicht so, dass man mit einem Bachelor in der Tasche grundsätzlich ein Master-Studium beginnen kann? 

Doch, aber nicht jedes. Das gilt vor allem für die so genannten konsekutiven Master-Studiengänge. Sie erweitern oder vertiefen das in einem Bachelor-Programm erworbene Wissen und retten damit oft die tradierten Inhalte des Diplom-Studiums ins neue Abschlusssystem hinüber. Das sind etwa zwei Drittel aller Master-Programme. Der Rest sind nicht-konsekutive Studiengänge, die das im Bachelor-Studium erworbene Wissen verbreitern sollen, etwa indem sie einer Ingenieurin oder einem Ingenieur betriebswirtschaftliches Know-how vermitteln. Sie gelten als "Zweitstudium" und kosten Geld.

Worin liegt nun das Problem mit den konsekutiven Studiengängen?

Jede Hochschule kann für sich eigene fachliche Zugangsvoraussetzungen formulieren. Zum Beispiel, dass die Absolventin oder der Absolvent eines ingenieurwissenschaftlichen Bachelor-Studiums Kenntnisse über Elektrotechnik mitbringt oder dass sich jemand im Psychologie-Studium in einem bestimmten Umfang auch mit diagnostischen Verfahren befasst hat. Werden diese Voraussetzungen nicht erfüllt, etwa weil der Bachelor in Frankfurt statt in München erworben wurde, gibt es eine Absage.

Was raten Sie angehenden Studierenden oder denen, die einen Fachwechsel ins Auge fassen?

Sie müssen sich sehr intensiv mit Inhalten und Profil der in Frage kommenden Studiengänge befassen. Gerade Abiturientinnen und Abiturienten haben hier Defizite. Nur etwa ein Viertel von ihnen fühlt sich Umfragen zufolge ausreichend auf die Studienentscheidung vorbereitet. Weder Eltern, Bekannte noch Lehrerinnen oder Lehrer können ihnen dabei genug helfen. Sie sollten deshalb die Studienberatungsangebote der Hochschulen nutzen, Lehrveranstaltungen der relevanten Studiengänge besuchen und mit Studierenden über deren Erfahrungen sprechen.